Glaube wird sichtbar
Täuferischer Glaube versteht Christsein nicht zuerst als Zugehörigkeit zu einer Institution oder als Zustimmung zu einem Glaubenssystem.
Im Mittelpunkt steht die Nachfolge Jesu.
Jesus ruft Menschen nicht nur dazu auf, an ihn zu glauben.
Er ruft sie dazu auf, ihm zu folgen.
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“
Matthäus 16,24
Darum gehört für uns zusammen, was im christlichen Leben nicht getrennt werden sollte:
Glaube und Gehorsam.
Bekenntnis und Leben.
Gnade und Nachfolge.
Was wir glauben, soll daran sichtbar werden, wie wir leben.
Jesus Christus in der Mitte
Täuferische Christen haben immer wieder danach gefragt, was es konkret bedeutet, Jesus zum Herrn des eigenen Lebens zu machen.
Darum lesen wir die Schrift von Christus her.
Seine Worte, sein Leben und sein Beispiel stehen im Mittelpunkt unserer Nachfolge.
Jesus ist nicht nur derjenige, an den wir glauben.
Er ist auch derjenige, dem wir folgen.
Das bedeutet nicht, dass wir uns das Heil durch Gehorsam verdienen könnten.
Wir leben aus der Gnade Gottes.
Aber diese Gnade lässt uns nicht unverändert.
Sie ruft uns in ein neues Leben.
Die Bergpredigt ernst nehmen
Für die täuferische Tradition besitzt die Bergpredigt deshalb eine besondere Bedeutung.
Jesus beschreibt dort nicht lediglich ein unerreichbares Ideal.
Er spricht zu Menschen, die ihm folgen wollen.
Dazu gehören:
Friedfertigkeit.
Wahrhaftigkeit.
Versöhnung.
Vergebung.
Barmherzigkeit.
Treue.
Feindesliebe.
Verzicht auf Vergeltung.
Verantwortung gegenüber anderen.
Vertrauen auf Gott.
Gerade die frühen Täufer wollten diese Worte Jesu nicht auf eine ferne Zukunft verschieben.
Sie fragten:
Wie können wir heute danach leben?
Diese Frage stellen auch wir.
Friedfertigkeit
Ein besonders sichtbares Merkmal täuferischer Nachfolge ist die Friedenshaltung.
Jesus sagt:
„Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen.“
Matthäus 5,44
Darum kann christliche Nachfolge nicht von Vergeltung bestimmt sein.
Unser Ziel ist nicht, Feinde zu besiegen, sondern ihnen mit der Haltung Jesu zu begegnen.
Friedfertigkeit bedeutet dabei nicht Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht.
Sie bedeutet auch nicht, dass Wahrheit verschwiegen werden soll.
Aber wir wollen dem Bösen nicht mit denselben Mitteln begegnen, die wir selbst ablehnen.
Die frühen Täufer haben diese Haltung oft sehr konsequent gelebt.
Auch darin sehen wir eine bleibende Herausforderung für christliche Nachfolge.
Nicht nur hören
Jesus warnt davor, seine Worte nur zu hören.
„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute.“
Matthäus 7,24
Täuferische Nachfolge fragt deshalb nicht nur:
Was glaube ich?
Sondern auch:
Was tue ich mit dem, was Jesus gesagt hat?
Glaube, der keine Auswirkungen auf unser Leben hat, verfehlt etwas Wesentliches.
Nachfolge bedeutet nicht Vollkommenheit.
Aber sie bedeutet eine Richtung.
Wir wollen lernen, das Erkannte auch zu leben.
Christus vor menschlicher Macht
Die Täufer haben früh betont, dass der Glaube nicht durch staatliche Macht, gesellschaftlichen Druck oder kirchlichen Zwang hergestellt werden kann.
Glaube muss frei sein.
Und Nachfolge muss aus persönlicher Überzeugung entstehen.
Darum begegnen wir der Verbindung von Glauben und Macht grundsätzlich mit Vorsicht.
Kirche soll Menschen nicht beherrschen.
Der Staat kann Glauben nicht erzeugen.
Mehrheiten entscheiden nicht darüber, was wahr ist.
Wo menschliche Autorität und Gottes Wort miteinander in Konflikt geraten, steht für uns die Treue zu Christus an erster Stelle.
„Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“
Apostelgeschichte 5,29
Nachfolge kann etwas kosten
Täuferische Geschichte ist auch eine Geschichte von Menschen, die bereit waren, für ihre Überzeugungen Nachteile in Kauf zu nehmen.
Viele wurden vertrieben, enteignet, eingesperrt oder getötet.
Sie wollten ihren Glauben nicht anderen aufzwingen.
Aber sie wollten ihn auch nicht verleugnen.
Unsere Lebensumstände sind heute andere.
Doch die grundlegende Frage bleibt:
Ist Christus tatsächlich Herr über unser Leben, auch wenn Nachfolge unbequem wird?
Nachfolge kann Anerkennung kosten.
Bequemlichkeit.
Gewohnheiten.
Manchmal Beziehungen.
Christus nachzufolgen bedeutet deshalb auch, nicht nur dann bei ihm zu bleiben, wenn es einfach ist.
Ein anderes Leben
Die frühen Täufer wollten keine neue religiöse Theorie entwickeln.
Sie wollten ein anderes Leben führen.
Ein Leben, in dem die Worte Jesu sichtbar werden.
Darum gehört Nachfolge für uns in den Alltag.
Wie reden wir über andere?
Wie gehen wir mit unserer Familie um?
Wie behandeln wir Menschen, die anders denken?
Wie reagieren wir auf Unrecht?
Können wir vergeben?
Sind wir ehrlich, wenn Ehrlichkeit Nachteile bringt?
Wie gehen wir mit Besitz und Geld um?
Sind wir bereit zu teilen?
Helfen wir Menschen, die unsere Hilfe brauchen?
Ist unser Glaube auch dann sichtbar, wenn niemand zusieht?
Christsein ist kein Sonntagsprogramm.
Es ist ein Weg.
Einfachheit statt religiöser Inszenierung
Täuferische Nachfolge richtet den Blick nicht zuerst auf Größe, Einfluss oder religiöse Wirkung.
Entscheidend ist nicht, wie beeindruckend eine Gemeinde erscheint.
Entscheidend ist, ob Christus in ihr sichtbar wird.
Darum schätzen wir Einfachheit.
Nicht als Selbstzweck und nicht als romantische Vorstellung von Armut.
Sondern als Erinnerung daran, dass christliches Leben nicht von Bühne, Status oder Besitz abhängig ist.
Eine kleine Gemeinschaft kann geistlich reich sein.
Ein unscheinbares Leben kann ein starkes Zeugnis sein.
Treue ist wichtiger als Wirkung.
Der Weg des Lebens
Auch die Didache beginnt nicht mit komplizierter Theologie.
Sie beginnt mit dem Leben.
Es gibt zwei Wege:
den Weg des Lebens und den Weg des Todes.
Der Weg des Lebens beginnt mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten.
Dieser Gedanke passt sehr gut zum täuferischen Verständnis von Nachfolge.
Glaube zeigt sich in Entscheidungen.
Nicht um uns das Heil zu verdienen.
Sondern weil wir zu Christus gehören und lernen wollen, nach seinem Willen zu leben.
Nachfolge geschieht gemeinsam
Täuferische Nachfolge ist persönlich.
Aber sie ist nicht individualistisch.
Christen brauchen einander.
Wir brauchen Menschen, die uns ermutigen.
Menschen, die mit uns beten.
Menschen, die uns helfen.
Und manchmal auch Menschen, die uns widersprechen und korrigieren.
Darum gehört verbindliche Gemeinschaft zur Nachfolge.
Gemeinde ist nicht nur der Ort, an dem wir einen Gottesdienst besuchen.
Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam lernen, Jesus zu folgen.
Genau hier beginnt SMALL CHURCH.