Glaube
Der christlicher Glaube ist die Antwort des Menschen auf den Ruf Gottes.
Dieser Ruf beginnt nicht erst mit einer Predigt, einer Kirche oder einer religiösen Erfahrung. Er reicht tiefer. Der Mensch ist von Gott geschaffen – nicht zufällig, nicht ohne Ziel und nicht für ein Leben, das von seinem Schöpfer getrennt ist.
Die Bibel beschreibt den Menschen von Anfang an als ein Wesen, das auf Gemeinschaft mit Gott hin geschaffen ist. Der Mensch lebt vor Gott, hört auf ihn, empfängt von ihm seinen Auftrag und steht in Verantwortung vor ihm.
Der ursprüngliche Platz des Menschen ist deshalb nicht die Unabhängigkeit von Gott, sondern das Leben mit Gott.
Ein Leben im Vertrauen.
Im Hören.
Im Gehorsam.
In Gemeinschaft mit seinem Schöpfer.
Doch genau diese Gemeinschaft ist zerbrochen.
Der Mensch wollte nicht länger allein darauf vertrauen, was Gott als gut und richtig bestimmt. Er wollte selbst erkennen, selbst bestimmen und selbst Maßstab sein. In dieser Selbstüberschätzung liegt der Kern des Sündenfalls.
Sünde ist deshalb mehr als eine Sammlung einzelner falscher Handlungen.
Sie ist eine grundlegende Veränderung im Verhältnis zwischen Mensch und Gott.
Der Mensch entfernt sich von seinem Schöpfer.
Er geht seinen eigenen Weg.
Er lebt in einer Welt, in der er zwar weiterhin von Gott geschaffen und getragen ist, aber nicht mehr in der ursprünglichen Gemeinschaft mit ihm lebt.
Diese Trennung prägt uns bis heute.
„Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg.“
Jesaja 53,6
Der Mensch bleibt auf Gott hin geschaffen und versucht doch, ohne ihn zu leben.
Gerade darin liegt ein tiefer Widerspruch unseres Daseins.
Wir suchen Sinn, Wahrheit, Zugehörigkeit, Frieden und Beständigkeit – und suchen vieles davon dort, wo es letztlich nicht dauerhaft zu finden ist.
Der biblische Ruf Gottes ist deshalb in gewisser Weise ein Ruf zurück.
Zurück zum Schöpfer.
Zurück in die Gemeinschaft mit Gott.
Zurück zu dem, wofür der Mensch ursprünglich geschaffen wurde.
Doch dieser Weg kann nicht einfach dadurch gegangen werden, dass der Mensch beschließt, von nun an ein besseres Leben zu führen.
Die Trennung durch die Sünde lässt sich nicht durch Moral, Religiosität oder eigene Leistung aufheben.
Darum steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens Jesus Christus.
In ihm kommt Gott dem Menschen entgegen.
Jesus ruft zur Umkehr.
Er verkündigt das Reich Gottes.
Er zeigt, wie ein Leben unter Gottes Herrschaft aussieht.
Und er tut schließlich das, was der Mensch selbst nicht tun kann:
Er trägt unsere Schuld.
Er stirbt am Kreuz.
Und er wird von den Toten auferweckt.
Durch Christus wird Versöhnung mit Gott möglich.
„Denn so wir Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnt sind.“
Römer 5,10
Das Evangelium ist deshalb nicht nur die Nachricht, dass unsere Schuld vergeben werden kann.
Es ist die Nachricht, dass der Weg zu Gott wieder offensteht.
Der Mensch, der sich von Gott entfernt hat, wird zurückgerufen.
Nicht zurück in ein religiöses System.
Nicht zuerst in eine Kirche.
Sondern zurück zu Gott.
Darum lautet der Ruf Jesu:
„Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“
Markus 1,15
Umkehr bedeutet dabei tatsächlich eine Richtungsänderung.
Der Mensch, der seinen eigenen Weg gegangen ist, wendet sich Gott zu.
Er erkennt seine Schuld.
Er vertraut darauf, dass Christus genügt.
Er nimmt Vergebung an.
Und er beginnt wieder dort zu leben, wo der Mensch hingehört:
unter Gottes Herrschaft und in Gemeinschaft mit ihm.
Darum ist Glaube nicht nur die Zustimmung zu einer Lehre über Jesus.
Glaube ist Vertrauen.
Er ist Antwort.
Er ist Rückkehr.
Und er ist der Beginn eines neuen Weges mit Gott.
Jesus Christus ist dabei nicht nur derjenige, der Schuld vergibt.
Er ist auch der Herr, dem der Glaubende folgt.
Deshalb endet das Evangelium nicht bei der Frage:
Bin ich gerettet?
Es führt weiter zu der Frage:
Wie lebe ich nun mit dem Gott, zu dem ich zurückgerufen worden bin?
Genau hier beginnt Nachfolge.
Und genau hier beginnt auch unsere täuferische Perspektive.
Glaube ist persönlich.
Kein anderer Mensch kann stellvertretend für mich glauben.
Keine Institution kann diese Antwort ersetzen.
Keine Kirche kann Glauben verleihen.
Keine religiöse Handlung kann eine persönliche Umkehr hervorbringen.
Der Mensch hört Gottes Ruf und antwortet selbst darauf.
Darum folgt im täuferischen Verständnis die Taufe dem Glauben.
Darum gehört Nachfolge zum Glauben.
Und darum führt persönlicher Glaube anschließend wieder in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen.
Christlicher Glaube ist damit nicht die Aufnahme in ein religiöses System.
Er ist die Wiederherstellung einer Beziehung.
Der Mensch wurde geschaffen, um mit Gott zu leben.
Durch die Sünde ging diese Gemeinschaft verloren.
Durch Jesus Christus ist Versöhnung möglich.
Und im Glauben antwortet der Mensch auf Gottes Ruf, kehrt um und beginnt neu, mit ihm zu gehen.
Darum ist dieser Glaube auch keiner Institution verpflichtet.
Er ist Gott verpflichtet.
Und weil wir Gott nicht nach unseren eigenen Vorstellungen formen dürfen, ist der Glaube an die Heilige Schrift gebunden.
An ihr muss sich messen lassen, was wir glauben, lehren und leben.